Zur Fähre Missunde – und warum wir diesen Beitrag einordnen möchten | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Zur Fähre Missunde – und warum wir diesen Beitrag einordnen möchten

Von: Bürgermeister Joschka Buhmann

Normalerweise kommentieren wir auf diesem Kanal keine Beiträge politischer Parteien. Da sich der betreffende Beitrag unmittelbar mit unserer Region und der Fährverbindung Missunde beschäftigt, möchten wir einige Punkte sachlich einordnen.

Bei der Missunde III ist nicht alles richtig gelaufen. Es wurden erhebliche öffentliche Mittel ausgegeben, es gab technische Probleme und Entscheidungen, die im Nachgang kritisch betrachtet werden müssen. Eine transparente und faktenbasierte Aufarbeitung ist deshalb notwendig.

Gleichzeitig wird die Geschichte der Fährverbindung Missunde nicht vollständig erzählt, wenn sie ausschließlich auf die Missunde III und die entstandenen Kosten reduziert wird.

Unsere Gemeinde, die Interessengemeinschaft Schleifähre Missunde und viele engagierte Menschen aus der Region haben in den vergangenen zwei Jahren sehr viel Zeit und Energie investiert. Wir haben geschrieben, telefoniert, Gespräche geführt, Lösungsvorschläge entwickelt und immer wieder auf die Bedeutung einer verlässlichen Fährverbindung für die Menschen vor Ort hingewiesen.

Dabei standen wir mit unterschiedlichen politischen Vertreterinnen und Vertretern im Austausch. Mit CDU, SPD und Grünen gab es wiederholt Gespräche. Der SSW war vor Ort, und auch zur FDP bestand Kontakt. Einige Verantwortliche sind auf uns zugekommen, andere haben wir angesprochen.

Natürlich gab es dabei unterschiedliche Positionen. Wir waren mit Entscheidungen der Landesregierung nicht immer einverstanden und haben unsere Kritik deutlich und öffentlich vorgetragen. Im Landtag wurde gestritten, vor Ort diskutiert und hinter den Kulissen nach Lösungen gesucht.

Gerade darin liegt für uns eine wichtige Erkenntnis aus den vergangenen zwei Jahren:

Menschen vor Ort waren mit politischen Entscheidungen unzufrieden, haben sich organisiert und auf demokratischem Wege dafür eingesetzt, diese Entscheidungen zu verändern. Kommunalpolitik, Bürgerinitiative und Landespolitik haben trotz unterschiedlicher Auffassungen weiter miteinander gesprochen und gemeinsam nach einer Lösung gesucht.

Schließlich hat die Landespolitik reagiert.

Heute fährt wieder eine Fähre über die Schlei. Die Missunde II soll zurückkehren, und gemeinsam wird an einer verlässlichen Perspektive für diese wichtige Verbindung gearbeitet.

Das macht die Fehler und Probleme rund um die Missunde III nicht ungeschehen. Sie müssen transparent aufgearbeitet werden. Auch über mögliche politische oder personelle Konsequenzen darf und soll anschließend diskutiert werden – allerdings auf Grundlage belastbarer Fakten.

Eine Meinung ist schnell gebildet. Sie fundiert vertreten zu können, erfordert Informationen, Zusammenhänge und Argumente.

Die meisten Menschen haben verständlicherweise weder Zeit noch Lust, seitenlange Berichte zu lesen. Informationen erreichen uns häufig über Zeitungsartikel, kurze Fernsehbeiträge, Schlagzeilen und soziale Medien. Gerade deshalb sollten komplexe Vorgänge nicht auf einzelne besonders empörende Aussagen reduziert werden.

„Millionen versenkt!“ funktioniert als Schlagzeile. Eine umfassende politische und technische Aufarbeitung ersetzt eine solche Schlagzeile jedoch nicht.

Deshalb widersprechen wir der pauschalen Darstellung, die Vorgänge rund um Missunde zeigten lediglich ein vollständiges Versagen der Politik. Unsere Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre zeigen ein differenzierteres Bild:

Bürgerinnen und Bürger haben sich eingemischt. Kommunalpolitik hat Druck gemacht. Entscheidungen der Landespolitik wurden deutlich kritisiert. Trotzdem blieben die Beteiligten miteinander im Gespräch und arbeiteten weiter an einer Lösung.

Demokratische Prozesse können anstrengend und langsam sein. Sie können zu falschen Entscheidungen führen, die anschließend korrigiert werden müssen. Der Vorgang Missunde zeigt aber auch, dass Menschen durch Engagement, Hartnäckigkeit und sachlichen Druck etwas verändern können.

Wir waren laut. Wir waren mit Entscheidungen unzufrieden. Wir haben gestritten. Aber wir sind den demokratischen Weg gegangen – und haben dadurch etwas bewegt.

Die richtige Antwort auf politische Fehlentscheidungen bleibt für uns deshalb eine transparente Aufarbeitung, eine offene Diskussion und eine bessere Politik.

Noch eine Bitte zum Schluss:

Wenn ihr in sozialen Netzwerken Beiträge über unsere Region seht, die euch ärgern, prüft bitte, ob ein Kommentar unter dem jeweiligen Beitrag wirklich sinnvoll ist.

Social-Media-Plattformen bewerten vor allem, wie stark Menschen mit einem Beitrag interagieren. Auch ein kritischer oder ablehnender Kommentar bleibt eine Interaktion und kann dazu beitragen, dass ein Beitrag zusätzliche Reichweite erhält.

Deshalb ordnen wir den Sachverhalt hier auf unserem eigenen Kanal ein. So können wir informieren, Zusammenhänge darstellen und unsere Sicht auf die Entwicklung der Fährverbindung erläutern, ohne den ursprünglichen Beitrag zusätzlich zu verbreiten.

Entscheidend ist, miteinander über die tatsächlichen Vorgänge zu sprechen, unterschiedliche Auffassungen auszuhalten und Informationen anhand nachvollziehbarer Fakten zu bewerten.

Die Missunde III muss aufgearbeitet werden – ohne Wenn und Aber.

Gleichzeitig dürfen wir festhalten: Das Engagement der Menschen vor Ort hat etwas bewirkt. Heute fährt wieder eine Fähre, die Rückkehr der Missunde II ist vorgesehen, und wir arbeiten weiter an einer dauerhaft verlässlichen Verbindung für unsere Region.